Was die Schutzklasse aussagt
Jedes elektrische Gerät braucht einen Basisschutz gegen direktes Berühren spannungsführender Teile und einen Fehlerschutz für den Fall, dass die Basisisolierung versagt. Die Schutzklasse nach DIN EN 61140 (VDE 0140-1) beschreibt, wie dieser Fehlerschutz umgesetzt ist. Die Einteilung gilt für Geräte, nicht für Anlagen, und steht auf dem Typenschild als Symbol.
Für die Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel ist die Schutzklasse die erste Information, die der Prüfer erfasst: Sie legt fest, welche Messungen nach DIN VDE 0701-0702 bzw. DIN EN 50699 anfallen und welche Grenzwerte gelten.
Schutzklasse I: Schutz durch Schutzleiter
Bei Geräten der Schutzklasse I sind alle berührbaren leitfähigen Teile, etwa ein Metallgehäuse, mit dem Schutzleiter verbunden. Kommt es zu einem Isolationsfehler, fließt der Fehlerstrom über den Schutzleiter ab, die vorgeschaltete Sicherung oder der RCD schaltet ab. Erkennbar ist die Schutzklasse am Erdungssymbol auf dem Typenschild und am Schutzkontaktstecker oder Kaltgerätestecker mit drei Kontakten.
Typische Geräte: Kaffeemaschinen, Wasserkocher, Kühlschränke, Werkstattmaschinen mit Metallgehäuse, PC-Netzteile mit Kaltgerätestecker, Verlängerungsleitungen und Mehrfachsteckdosen mit Schutzkontakt. Der Schwachpunkt ist der Schutzleiter selbst: Ein gebrochener Schutzleiter in der Anschlussleitung ist einer der häufigsten Befunde bei der Prüfung, weil das Gerät weiter normal funktioniert und der Fehler nur durch Messung erkennbar ist.
Schutzklasse II: Schutz durch doppelte oder verstärkte Isolierung
Geräte der Schutzklasse II haben keinen Schutzleiter. Der Fehlerschutz wird durch eine zusätzliche Isolierung oder eine verstärkte Isolierung erreicht, sodass auch bei Versagen der Basisisolierung keine berührbaren Teile unter Spannung stehen. Das Symbol ist das Doppelquadrat, der Stecker ist ein Flach- oder Konturenstecker ohne Schutzkontakt.
Typische Geräte: Handbohrmaschinen und Winkelschleifer mit Kunststoffgehäuse, Haartrockner, Steckernetzteile, Monitore mit zweipoligem Netzanschluss, Staubsauger. Schutzklasse II bedeutet nicht, dass das Gehäuse keine Metallteile haben darf. Metallteile, etwa das Spannfutter einer Bohrmaschine, sind dann durch die doppelte Isolierung von spannungsführenden Teilen getrennt und werden bei der Prüfung als berührbare leitfähige Teile gemessen.
Schutzklasse III: Schutz durch Schutzkleinspannung
Geräte der Schutzklasse III werden mit Schutzkleinspannung betrieben: SELV (sicher getrennt, nicht geerdet) oder PELV (sicher getrennt, geerdet) nach DIN VDE 0100-410. Die Spannung liegt so niedrig, dass eine gefährliche Körperdurchströmung ausgeschlossen ist. Die Versorgung erfolgt über einen Sicherheitstransformator, ein entsprechendes Netzteil oder eine Batterie. Das Symbol ist eine Raute mit römischer III.
Typische Geräte: LED-Leuchten mit externem Netzteil, Akku-Werkzeuge im Betrieb ohne Netzanschluss, Spielzeug, Sensoren, Notebooks am Netzteil (das Notebook selbst ist Schutzklasse III, das Netzteil meist Schutzklasse II). Bei der Prüfung wird bei Schutzklasse III das Gerät zusammen mit seiner Stromversorgung betrachtet, weil die Sicherheit von der sicheren Trennung im Netzteil abhängt.
Übersicht: Symbole, Geräte und Messungen je Schutzklasse
Welche Messungen bei der Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0701-0702 bzw. DIN EN 50699 anfallen, hängt direkt von der Schutzklasse ab. Die Grenzwerte im Detail erklärt der Artikel Messungen bei der DGUV V3 Prüfung.
| Schutzklasse | Symbol | Schutzprinzip | Typische Geräte | Messungen bei der Prüfung |
|---|---|---|---|---|
| I | Erdungszeichen | Schutzleiter an berührbaren leitfähigen Teilen | Kaffeemaschine, Kühlschrank, Werkstattmaschine, Verlängerungsleitung | Sichtprüfung, Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand, Schutzleiterstrom (oder Ersatzableitstrom), Funktionsprüfung |
| II | Doppelquadrat | Doppelte oder verstärkte Isolierung | Bohrmaschine mit Kunststoffgehäuse, Haartrockner, Steckernetzteil | Sichtprüfung, Isolationswiderstand, Berührungsstrom an berührbaren leitfähigen Teilen, Funktionsprüfung |
| III | Raute mit III | Schutzkleinspannung SELV oder PELV | LED-Leuchte mit Netzteil, Notebook, Sensor | Sichtprüfung, gegebenenfalls Isolationswiderstand, Funktionsprüfung |
Geräte ohne erkennbare Schutzklasse oder ohne Typenschild werden in der Praxis wie Schutzklasse I behandelt, wenn sie einen Schutzkontakt haben, sonst wie Schutzklasse II. Fehlt das Typenschild ganz, ist das bereits ein Befund der Sichtprüfung.
Abgrenzung: Schutzklasse und Schutzart IP
Schutzklasse und Schutzart werden häufig verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Dinge. Die Schutzart nach DIN EN 60529 wird als IP-Code angegeben, etwa IP44 oder IP67. Die erste Ziffer steht für den Schutz gegen Berührung und Fremdkörper, die zweite für den Schutz gegen Wasser. Sie sagt nichts darüber aus, wie das Gerät gegen elektrischen Schlag bei einem Isolationsfehler schützt.
Ein Gerät kann also Schutzklasse I und IP20 sein (Kaffeemaschine im Büro) oder Schutzklasse II und IP65 (Baustellenleuchte mit Kunststoffgehäuse). Für die DGUV V3 Prüfung ist die Schutzklasse maßgeblich, die Schutzart spielt bei der Frage eine Rolle, ob das Gerät für seinen Einsatzort geeignet ist, etwa im Freien oder in feuchten Räumen.
Prüfung in Oberhausen und Umgebung
Rittmann Technikservice prüft ortsveränderliche Betriebsmittel aller Schutzklassen in Oberhausen, Essen, Duisburg, Mülheim und Bottrop. Bastian Rittmann prüft selbst, erfasst je Gerät Schutzklasse und Messwerte im Protokoll, nennt nach Zählung einen Festpreis und erinnert vor Ablauf der nächsten Frist. Den Bestand melden Sie über die Anfrage, eine Übersicht gibt die Seite Leistungen.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich die Schutzklasse eines Geräts?
Am Symbol auf dem Typenschild: Erdungszeichen für Schutzklasse I, Doppelquadrat für Schutzklasse II, Raute mit römischer III für Schutzklasse III. Ein Stecker mit Schutzkontakt deutet auf Schutzklasse I hin, ein Flachstecker auf Schutzklasse II.
Ist Schutzklasse II sicherer als Schutzklasse I?
Beide erfüllen die Anforderungen an den Fehlerschutz, auf unterschiedlichem Weg. Schutzklasse II ist unabhängig vom Schutzleiter der Installation, Schutzklasse I dafür robuster bei Geräten mit großen Metallgehäusen. Sicherer ist das Gerät, dessen Schutzmaßnahme intakt ist, und das zeigt die Prüfung.
Müssen Geräte der Schutzklasse III geprüft werden?
Ja, sie fallen ebenfalls unter die DGUV Vorschrift 3. Die Prüfung beschränkt sich meist auf Sichtprüfung und Funktionsprüfung, gegebenenfalls Isolationsmessung. Das zugehörige Netzteil wird nach seiner eigenen Schutzklasse geprüft.
Was bedeutet Schutzklasse 0?
Schutzklasse 0 hatte nur Basisisolierung und keinen Fehlerschutz. Für neue Geräte ist sie in der DIN EN 61140 nicht mehr vorgesehen. Solche Geräte gehören nicht in einen Betrieb.
Was ist der Unterschied zwischen Schutzklasse und Schutzart?
Die Schutzklasse beschreibt den Schutz gegen elektrischen Schlag bei einem Fehler, die Schutzart (IP-Code) den Schutz des Gehäuses gegen Fremdkörper und Wasser. Beide Angaben stehen unabhängig voneinander auf dem Typenschild.
Stand: 2026-09-09. Fachliche Angaben nach den genannten Vorschriften und Normen, ohne Gewähr; maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung und Ihre Gefährdungsbeurteilung.
